Velier Diamond 1988 – Das außerirdische Einhorn

Die Bezeichnungen „legendär“ oder „einzigartig“ werden heutzutage nicht nur in der Werbewelt regelmäßig genutzt und wirken daher regelrecht abgeschliffen. Schade – sind solche Attribute eigentlich den besonderen Dingen im Leben vorbehalten.

Doch welcher Rum hat genau diese Lobeshymnen verdient und kann zurecht mit legendär oder einzigartig beschrieben werden?

Klettern Sie zusammen mit Yesud Persaud zwischen die Fässer, um die ältesten Schätze Demeraras zu entdecken. Eine Schatzsuche, die zu diesem prächtigen Full Proof führt.

Luca Gargano

(Übersetzter Text des Rückenetiketts)

Luca Gargano, CEO des italienischen Bottlers Velier erwarb 2004 einen kleinen Anteil am Unternehmen Demerara Distillers Limited (DDL) und öffnete so das Tor zu einem seltenen Stock an Fässern. Daraus folgte eine unglaubliche Serie von insgesamt 36 Abfüllungen, die schon beim Anblick der Flaschen jedem Guyana-Fan das Herz schneller schlagen lässt. Die letzte Abfüllung dieser einzigartigen Chronologie wurde 2014 veröffentlicht und hatte einen wahnwitzigen Ausgabepreis von rund 160 €.

Die Namen der Abfüllungen waren bis Dato so gut wie unbekannt. Port Mourant, Uitvlugt und Enmore erschienen zwar schon vorher auf den Labels einiger Abfüller wie Cadenhead oder Moon Import, jedoch waren Namen wie Skeldon, Blairmont, Albion und La Bonne Intention absolut nichts sagend. Heute klingen diese Namen fast schon melodisch.

Velier Diamond 1988 im Glas
Eines von 51 Einhörnern in freier Wildbahn – Diamond 1988

Wenn der aktuelle Marktpreis einer Flasche Rum dem eines deutschen Mittelklasse-Autos gleicht, dann ist das etwas Besonderes!

Der Velier Demerara Diamond 1988 besitzt unter den 36 Abfüllungen einen zusätzlichen Sonderstatus. Sage und Schreibe 51 Flaschen ergab das Single Cask, dass 2006 seinen Weg in die schwarzen Flaschen fand. Der damalige Ausgabepreis von 63 € für einen vollständig tropisch gereiften Rum mit 59% vol in dieser Qualität war damals schon unglaublich günstig. Der Rum wurde 1988 in der Savalle Coffey Still bei Diamond gebrannt und reifte vollständig unter tropischen Bedingungen. Geht man von einer Befüllung des Fasses von 180 Litern aus, lag der Angels Share bei über 80%.

Ist der Geschmack so einzigartig wie die Abfüllung an sich?

Ich gebe zu, es ist etwas Ehrfurcht im Spiel, denn die Seltenheit der Abfüllung weckt hohe Erwartungen. Das Glas bleibt eine Weile unangetastet stehen. In der Farbe gleicht er anderen tropisch gereiften Rums. Dunkles Bernstein mit rötlichen Reflexen. Nicht jedes Einhorn ist weiß und hat eine lilafarbene Mähne. Die Viskosität ist massiv. Dickflüssige, fast sirupartige Legs suchen sich ihren Weg über die Wände des Blenders-Glas. In der Nase beginnt die Symphonie. Leichte Aromen von getrockneten Früchten beginnen mit den ersten sanften Tönen. Darauf folgt ein wahres Feuerwerk. Dunkle Nuancen von Schokolade, Leder und Pfeifentabak tanzen mit dem herrlichen Duft von getrockneten Pflaumen, Erdbeeren und frisch ausgekratzten Bourbon Vanille Stangen. Die ganz leichte Kräutrigkeit steht in einem Smoking daneben und applaudiert dem Schauspiel. Dieser Rum malt in Gedanken die schönsten Gemälde. Eine nie dagewesene Harmonie. Alle Aromen sind präsent, nichts wirkt überlagert, nichts erschlagen. Es ist die Vollkommenheit eines Destillats. Eine Differenzierung zwischen dem Duft und dem Geschmack ist nicht möglich. Es ist ein Gesamtkunstwerk. Eine Bewertung ist unmöglich. Es würde jeden nahezu perfekten Rum in den Schatten stellen.

Einer der wenigen zu sein, die diesen Rum jemals im Glas haben, macht demütig. Auch mit dem Wissen, dass der Kauf einer Flasche nahezu unmöglich erscheint. Nicht nur, weil Brancheninsider den Wert einer Flasche auf mehr als 60.000 € schätzen. Es ist auch der Tatsache geschuldet, dass es in den letzten Jahren kein offizielles Angebot gab, nicht einmal bei rumauctioneer.com.

Velier Diamond 1988 bei RumX

Danke an die Person, die diese besondere Verkostung ermöglicht hat.